Von Claudia Kolbeck Osnabrück
“Eins, zwei, drei, vier und: kleiner Finger, Ringfinger, Mittelfinger, Zeigefinger. Weiter mit der linken Hand.” – Mit solchen und ähnlichen Übungen führte der iranische Percussion-Virtuose Peyman Nasehpour rund 40 Osnabrücker in die Kunst der aserbaidschanischen und persischen Musik ein. In einem dreistündigen Workshop am “Institut für Musik” stellte der Künstler die Trommeln Tonbak, Daf und Ghaval aus seiner Heimat vor und zeigte dem Publikum grundlegende Techniken zum Spiel. Die Veranstaltung bildete einen der Schlusspunkte des Morgenland Festivals.
Mit einer Einführung über Aufbau und Tradition der Instrumente begann der Workshop, danach konnten die Teilnehmer üben: Durch Trommel- und Schnipstechniken und anhand leichter Rhythmen zeigte der Musiker den Osnabrückern, welche Fingerfertigkeiten man beherrschen muss, um die Instrumente aus seiner Heimat zu spielen. Und er wusste genau, wovon er sprach: Bereits im Alter von neun Jahren kam der Iraner in Berührung mit den traditionellen Instrumenten seines Kulturkreises.
Das Rhythmusgefühl wurde ihm quasi in die Wiege gelegt – sein Vater war Sänger, die Mutter ebenfalls musikalisch begabt, und so entfachte auch beim Nachwuchs schnell das Interesse für Rhythmen und Percussions. “Ich habe selbst sieben Jahre lang kontinuierlich geübt, um die Instrumente vollständig zu beherrschen, und danach durch viel Praxis immer weiter gelernt”, erklärte Nasehpour. Heute ist er weit über seine Heimat hinaus für seine Percussionkünste bekannt.
Ganz so viel Zeit hatten die Osnabrücker nicht zum Erlernen der Trommeltechniken, dennoch gefiel ihnen der Workshop offensichtlich: Besucher im Alter von neun bis über 50 Jahren verfolgten eifrig die Anweisungen des iranischen Lehrers. “Das Schnipsen auf der Oberfläche der Tonbak ist am schwierigsten”, befand Lukas Hülsmann nach kurzer Zeit. Sein Schlagzeuglehrer hatte ihn spontan mit zu dem Workshop genommen. Mit Erfolg – dem Neunjährigen gefiel der Schnellkurs: “Das macht viel Spaß, und einige Rhythmen kann ich schon nachspielen.”
Doch nicht nur die kleinen, auch die größeren Besucher versuchten sich begeistert an der fremdländischen Trommelkunst. Andreas Ottmer, Leiter einer Osnabrücker Musikschule etwa, war einer von ihnen. Er stand bereits gemeinsam mit Peyman Nasehpour auf der Bühne. “Ich wollte die Chance des Workshops einfach nutzen, um noch neue Techniken und Rhythmen zu lernen”, so der Osnabrücker. “Je besser ich meine Musikgruppen durch solche Percussions begleiten kann, desto mehr Spaß macht das Zusammenspiel.” Im Gegensatz zu manch anderem eifrigen Schüler hatte er dabei so gar keine Schwierigkeiten mit dem Schnipsen. “Das habe ich früher schon einmal für ein Stück geübt”, verriet er schmunzelnd.
Nach knapp drei Stunden Workshop klangen die anfangs eher zaghaften Trommler dann schon ziemlich rhythmisch. Begleitet wurden die Klänge von vielen freudigen Mienen – unter anderem von der von Peyman Nasehpour. “Ich würde mich freuen, wenn wir die Möglichkeit zu einer Fortsetzung des Workshops haben. Mir hat das Ganze viel Freude bereitet”, sagte der Musiker.
Source: Neue OZ